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Bis(s)zum Feierabend-Der Projektabschluss
Unsere Baustelle in Frauendorf
leider konnten wir unser Bauvorhaben Transsylvanien nicht wie geplant in Birthälm durchführen, da uns zum Schluss eine wichtige Genehmigung fehlte.Doch mit Hilfe der örtlichen Kirchenleitstelle und Christian Rummel, dem Leiter eines Kirchenbautrupps konnten wir doch noch an einer interessanten Kirchenburg ein tolles Projekt erleben, von welchem wir Euch hier berichten möchten.
Unsere Baustelle und Unterkunft wurde kurzerhand nach Frauendorf ( rum. Axente Sever) verlegt:
Die Frauendorfer Kirchenburg befindet sich direkt an der Straße zwischen Hermannstadt und Medias . Im Rahmen einer großangelegten Sanierung wurde in den früheren Wohnkammern am äußeren Mauerring großzügige Fremdenzimmer eingerichtet und ein kleines Museum untergebracht.
Im Museum kann man sich neben Funden aus der Steinzeit den verschiedensten Ausstellungsstücken aus dem Kulturleben der Siebenbürger , sowie den Bau und Nutzen der Kirchenburgen informieren.
Während unseres Aufenthaltes waren wir in den Wohnkammer untergebracht und wurden von einer Einheimischen aufs Beste mit rumänischer Küche versorgt. Wer einmal Interesse hat, eine oder mehrere Nächte in diesem historischen Gemäuer zu verbringen und von dort die Landschaft mit dem Rad oder zu Fuß erkunden möchte, kann sich im Internet unter www.axentesever.tk die notwendigen Informationen beschaffen.
In unserem zweiwöchigen Aufenthalt haben wir folgende Arbeiten durchgeführt:
Die Dachsanierung von zwei der 10 Fruchtkammern gegenüber der Wohnkammern .Durch langjährige Abtragung von aussteifenden Wänden und Gewölben und ein Erdbeben im Jahre 1978 neigte sich die äußere Ringmauer nach außen, was dazu führte, dass sich die Pultdachkonstruktion löste und für einen starken Schub auf die innere Ringmauer sorgte. Permanentes Ausspülen der Mörtelfugen durch Regen und Spritzwasser ergab das übrige, so dass sich die innere Ringmauer im Laufe der Zeit löste.
Zu Beginn musste die Dachfläche abgedeckt und die Latten und Dachkonstruktion abgenommen werden.
Danach konnte ein kleiner Trupp unter der Aufsicht von Kai-Uwe Fischer, welcher für den Kirchenbezirk in Medias Sanierungsmaßnahmen an Kirchenburgen beaufsichtigt und durchführt, mit den Mauerarbeiten beginnen. Backsteine mussten gesäubert werden, ein neuer Türsturz aus Eichenholz eingebaut und das neue Schwellenauflager wiederhergestellt werden. Der Mauermörtel wurde aus einer Sand- Kalkmischung im Mischungsverhältnis 3:1 hergestellt. Die Mauerkrone musste immer wieder auf Grund der starken Gewitterregen abgedeckt werden, da sonst die Mörtelmischung ausgewaschen wäre und die Backsteine bei Feuchtigkeitsaufnahme erweicht wären und so ihre Tragfähigkeit verloren hätten.
Eine zweite Gruppe begann parallel zu den Mauerarbeiten mit dem Abbund der Dachbinder auf dem Museumsvorplatz an der Westseite. Um die Dachlasten von der äußeren Ringmauer zu entkoppeln sollen die Mittel und Firstpfetten zukünftig auf einem Binder liegen, welcher sein hinteres Auflager auf einem Joch erhält.
Neben den Sanierungsarbeiten gab es auch einen kleinen Neubau zu errichten. Am Ende der Fruchtkammern sollten wir einen kleinen Unterstand für einen Erntewagen zimmern.
Als Seitenwand wurde eine Fachwerkwand gestellt. Die Aussteifung der Querseiten wurde durch Kopfbänder erreicht welche teils verzapft, teils überplattet wurden. Alle Holzverbindungen wurden mit Handwerkzeug hergestellt und nach dem Einbau mit selbstgefertigten Holznägeln verbunden. Nach dem Vorbild der Fruchtkammern wurde ein Pultdach abgebunden, welches mit Biberschwanzziegel eingedeckt wurde.
Mit dem Richtfest konnten wir auch einen alten Brauch der Siebenbürger wiederauferstehen lassen zu welchem sich am 3 Juli sich über 100 Gäste im Hof der Kirchenburg in Frauendorf einfanden: Zum sogenannten Kronenfest
Als ein kleines Wunder beschrieb Frau Pfarrerin Servatius-Depner die spontane Ausrichtung dieses Festes zu welchem es kam, nachdem sich Frau Ilse Constantin mit unserem Bautrupp unterhielt.
Frau Ilse fragte an, ob die Gruppe auch am Gottesdienst teilnehmen möchten, welcher außerplanmäßig für das kleine Klassentreffens des Jahrgangs 1944,zu welchem 9 Gäste aus Deutschland zugereist sind abgehalten werden sollte.
Anfangs stand ein Besuch des Kronenfestes in Malmkrog auf unserem Programm, doch dann entstand die Idee, selbst ein kleines Kronenfest zu organisieren und abzuhalten. Frau Ilse berichtete vom Brauch der Burschen, einen Baumstamm aus dem Wald zu holen, welcher dann mit einer Blumenkrone geschmückt am Sonntag nah an Peter und Paul auf dem Dorfplatz gestellt wird. Da sich keine Möglichkeit fand, einen Baum zu schlagen fertigten zwei Schüler aus einem Kantholz den Mast an. Zwei Tage investierten sie für die Herstellung des Seilhiebes, eine Säge und Stemmtechnik, welche einem rechteckigen Holz eine Seilform verleiht. Ein Wagenrad aus dem Museum wurde auf die Spitze montiert und die ehemalige Klasse fand sich am Vorabend auf dem Burgplatz ein, um die Krone zu binden.
Natürlich sprach sich dieses Ereignis schnell herum und das Kirchenhaus füllte sich bis in die hintersten Reihen. Pfarrerin Servatius-Depner hatte noch nie so viele Gäste zum Gottesdienst in der Fauendorfer Kirche begrüßen können, zu welchem Gäste aus Hermannstadt, Pretai und Deutschland kamen.
Nach dem Gottesdienst versammelten sich alle um den Kronenmast und Pfarrerin Servatius-Depner eröffnete das traditionell letzte Fest vor der Erntezeit mit einem Bericht über diesen Brauch.
Nach einer Begrüßung durch den Bürgermeister von Frauendorf erklomm Christian unter dem Beifall der Anwesenden den Mast, um die Süßigkeiten für die Kinder herunter zu werfen und eine Flasche Wein, welche am Rad befestigt war, zu lösen.
So konnte wir den Nachmittag auch noch für ein kleines Richtfest genutzt werden. Benjamin sprach den traditionell üblichen Segensspruch der Zimmerer für das fertig aufgerichtete Gebäude und mit ein paar gesungenen Liedern und der Musik der Siebenbürger-Banater Blaskapelle aus Ingolstadt konnte bei herrlichem Sonnenschein ein schönes Fest in Frauendorf gefeiert werden, welches sicherlich allen in Erinnerung bleibt, da es schon seit über 20 Jahren dort nicht mehr stattgefunden hat.
Natürlich haben wir auch einiges über das Land und die Menschen in Rumänien in Erfahrung bringen können.
So stand ein Besuch von Hermannstadt auf dem Programm, welches wir bisher nur als unseren Zielflughafen kannten. Auf der einstündigen Zugfahrt von Frauendorf nach Hermannstadt konnten wir uns einen Eindruck von der weiten, mit einem satten grün überzogen Landschaft machen und ein klarer Himmel gewährte uns einen Blick auf die Karpaten. Nach unserer Ankunft besuchten wir das Volkskundemuseum, welches über eine große Anzahl an Zunftgegenständen aus dem Mittelalter verfügt.
Im Mittelalter war Hermannstadt neben Mainz und Nürnberg die drittgrößte Zunftstadt. Diese Zünfte waren für die Verteidigung der Stadt verantwortlich und mussten bei einer Belagerung für ausreichend Schutz, Bewaffnung und Verpflegung sorgen.Noch heute sind die Wehrtürme der Zimmerer und der Schlosser erhalten und dienen im Sommer als Schauwerkstatt welche von Wandergesellen betreut wird.
Als Anlaufpunkt dient den reisenden Handwerkern die Casa Calfelor die ursprüngliche Gesellenherberge welche nach ihrer umfangreichen Sanierung auch heute noch als Unterkunft dient.
Um mehr über die Bauweisen der anderen Kirchenburgen zu erfahren machten wir außerhalb der Arbeitszeit Exkursionen zu den Kirchenburgen nach Wurmloch, Klein Kopisch,Pretai, und natürlich auch Birthälm.
Selbstverständlich durfte auch Dracula nicht fehlen.Trotz Dutzender Fledermäuse, welche auf unserer Baustelle beheimatet waren ist uns leider während der Arbeiten kein Blutsauger erschienen. So besuchten wir den Geburtsort von Vlad Dracul in Schässburg, welcher zu Lebzeiten den Beinamen Tepec, der Pfähler führe.Seine Angewohnheit, seine besiegten Feinde zu pfählen und der Sage nach deren Blut zu trinken, diente damals als Vorlage für die Romanfigur Graf Dracula von Bram Stoker.
Ein weiterer Highlight war ein Besuch im ASTRA- Volkskundmuseum außerhalb von Hermannstadt, welches alte teils original, teils sanierte Holzbauten aller Art auf einem riesigen Gelände mit Wald und Seenlandschaft präsentiert.Hier findet man die unterschiedlichsten Holzbauten von der einfachen Fischerhütte über prachtvolle Gutshöfen und Wohnhäusern bis hin zu Stabkirchen aus allen Regionen Rumäniens.
Zusammengefasst können wir sagen dass wir sehr viel Positives erlebt und einiges gelernt haben.
Rumänien ist ein Land, welches viel durchgemacht hat.Ein Land der vielen Kulturen und ein Land der Gegensätze.Ein Land wo große Armut herrscht, aber die Herzlichkeit und Gastfreundschaft keine Grenzen kennt.
Wir sind stolz darauf, ein klein wenig mitgeholfen zu haben, ein Stück rumänischer, bzw. siebenbürgischer Kulturgeschichte zu erhalten.Diesen Aufenthalt werden wir nicht vergessen und möchten uns an dieser Stelle noch einmal bei allen bedanken, welche uns dieses Projekt ermöglichten und auch ein herzliches Dankeschön an alle Menschen in Rumänien, welchen wir dort begegnet sind und die uns mit großer Gastfreundschaft entgegengekommen sind.
Multumesc mult, La revedere romania,
Vielen Dank und auf ein Wiedersehen Rumänien

Der Kirchenbautrupp: Marcel Egenberger(Zimmerei Holzwurm), Christian Hamberger (Holzbau Elsässer),Steven Harendarski (Peter Metz Holzbau) Felix Wiesendanger( Holzbau Strobel), Benjamin Peterka (Zimmerei Locher), Victor Weber(Hennrich Holzbau),Jonathan Schmaller(Holzbau Ernst), Jonathan Becker, Dominique Knobloch,(Holzbau Horn) Stefan Baumgartner(Maisch Holzbau), Daniel Lehr ( Zimmerei W. Marquetant), Fabian Fahr(TFS), Werner Pauli (TFS)

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